Hand aufs Herz: Wann hast du das letzte Mal in aller Öffentlichkeit gestrickt? Letzte Woche? Letztes Jahr? Oder letztes Jahrhundert?
Es gab Zeiten, da war das Stricken in der Öffentlichkeit selbstverständlich. Doch das ist schon eine Weile her. Das Stricken entwickelte zwischenzeitlich ein etwas „angestaubtes“ Image und wurde immer mehr zu etwas, das hinter verschlossenen Türen stattfand. Doch ein ganz bestimmter Tag im Jahr bricht mit diesem Klischee – und zwar gewaltig.
Die Rede ist vom World Wide Knit in Public Day (WWKIPDAY), dem Weltstricktag!
Er findet am 2. Samstag im Juni statt – dieses Jahr also am 13.06.2026.
Ob du nun ein absoluter Strick-Profi bist oder gerade erst deine ersten Masche gelernt hast: Dieser Tag ist für uns alle da. Warum er so besonders ist und wie du mitmachen kannst, erfährst du hier.
Inhalte
Was ist der WWKIPDAY?
Der World Wide Knit in Public Day ist die größte Open-Air-Veranstaltung für Handarbeitsbegeisterte weltweit. Es gibt ihn schon seit 2005 und er findet traditionell am zweiten Samstag im Juni statt – also diese .
Die Idee dahinter ist so einfach wie genial: Stricken (und Häkeln!) soll raus aus der anonymen Stubenecke und rein ins Rampenlicht. Der Tag zeigt der Welt, dass Handarbeit modern, lebendig und vor allem eine großartige Gemeinschaftssache ist.
In den 80gern war es Gang und Gäbe, in allen möglichen Lebenslagen zu Stricken. Mit dem Abflauen dieses Booms sind auch die strickenden und häkelnden Menschen in der Öffentlichkeit immer mehr verschwunden. Kreative Arbeit mit Wolle wurde immer mehr ein gemütliches Hobby für die eigenen vier Wände.
Öffentlich Stricken am WWKIPDAY
Überall auf der Welt finden am 13.06.20226 – dem WWKIPDAY – Strickevents statt, bestimmt auch in deiner Region.
Ich werde am 13.06.2026 ab 10:00 Uhr bis mindestens 13:00 Uhr im Museumscafe in Hameln zu finden sein. Für alle, die bei mir vorbei schauen, habe ich eine kleine Überraschung dabei.

Und ob mit Event oder ohne, nimm dein Strickzeug einfach in die Öffentlichkeit mit und zeig, was für ein großartiges Hobby wir haben! Am WWKIPDAY und an jedem anderen Tag!
Damit der WWKIPDAY ein voller Erfolg wird, solltest du an folgende Dinge denken:
| Essentials | Für den Komfort | Zum Teilen |
|---|---|---|
| Strickzeug | ggf. Picknickdecke oder Klappstuhl | Snacks |
| Schere & Stopfnadel | Sonnenschutz & Sonnenbrille | Ideen und Inspirationen |
| Maschenmarkierer | Eine Flasche Wasser | Gute Laune! |
Wähle das richtige Projekt: Für das Stricken in der Öffentlichkeit empfiehlt sich was „Unkompliziertes“. Ein Lace-Muster, bei dem du jede Masche zählen musst, ist bei all den netten Gesprächen eher unpraktisch. Wie oft habe ich das versucht und musste – nach dem Stricktreff zu Hause angekommen – wieder ribbeln?! Daher mein Tipp: Socken, einfache Tücher oder was anderes in glatt oder kraus rechts ist perfekt.
3 Gründe, warum du unbedingt dabei sein solltest
Falls du noch zögerst, deine Nadeln in der Öffentlichkeit auszupacken, kommen hier drei unschlagbare Argumente:
- Gemeinsam statt allein: Stricken ist oft ein Solo-Hobby. Am WWKIPDAY merkst du plötzlich, wie viele Gleichgesinnte es in deiner Umgebung gibt. Man tauscht Tipps aus, bewundert die Garne der anderen und fachsimpelt über die besten Muster. Nichts bringt einen so schnell ins Gespräch wie ein gemeinsames Hobby.
- Klischees abbauen: Nein, Stricken ist nicht nur was für die Großmutter. Auf den Events triffst du Menschen jeden Alters und Geschlechts. Wir zeigen der Welt, wie divers und kreativ die „Woll-Community“ ist.
- Inspiration pur: Du suchst nach einer neuen Idee? Nirgendwo bekommst du so viel Inspiration und freundlich Hilfe wie bei einem Treffen voller Strick-Enthusiasten.
Warum wir uns so schwer tun, öffentlich zu stricken
Warum ist Stricken in der Öffentlichkeit so komisch geworden?
Brauchen wir wirklich einen WWKIPDAY, um öffentlich zu stricken?
Wir leben in einer Zeit, wo Menschen ständig ihre Handys rausnehmen und in dem Moment, wo sie das Display entsperren, für ihre Umgebung nicht mehr richtig erreichbar sind. Man kommuniziert mit Menschen, die Kilometerweit entfernt sind, statt mit denen zu reden, die einem gegenüber sitzen.
Im Gegensatz zum Handy ist Stricken doch total unproblematisch für das gemeinsame Miteinander und fördert die Kommunikation sogar häufig. Ich kann zum Beispiel viel besser zuhören, wenn ich stricke (zumindest wenn ich kein Muster am Start habe).
Und dennoch fühle ich mich an manchen Tage oder an manchen Locations (zum Beispiel im Restaurant) komisch, wenn ich das Strickzeug auspacke.
Warum also diese Entwicklung?
Ich habe dazu drei Ideen, sie ich hier und in diesem Video vorstelle:
1. Öffentlich stricken ist „out“
Es gab mal Zeiten, da haben wir wirklich alle überall gestrickt, sogar im Schulunterricht. Damals gab es bei uns an der Schule auch noch Textilunterricht, aber auch in anderen Fächern war es durchaus üblich, nebenbei zu stricken. Übrigens musste ich wegen eines Strickverbots mal nachsitzen. Warum? Das verrät dir Punkt 8 meiner Fun Facts. Ich hatte übrigens in den 80gern so gut wie immer Strickzeug dabei.
Man sah strickende Menschen in öffentlichen Verkehrsmitteln, in Unis, Parks, Restaurants und Cafes. Und als die Grünen noch eine junge Partei waren, haben plötzlich sogar Abgeordnete im Bundestag gestrickt. Dieses Novum ist zugegebenermaßen seinerzeit nicht überall gut angekommen, hat aber dazu beigetragen, öffentliche Handarbeit salonfähig zu machen.
Aber wie das so ist, ein Boom ebbt eben auch wieder ab. Und damit verschwanden auch die Menschen, die öffentlich strickten. Nach dem Boom kamen sogar Zeiten, wo das Verschenken von Stricksocken als absolutes NoGo galt.
Und wenn man in einer kleinen Minderheit ist, fühlt sich das manchmal einfach komisch an. Diesem Gefühl selbstbewusst zu trotzen gelingt nich immer.
Die gute Nachricht: Heute sieht man wieder mehr Leute öffentlich stricken, und auch im Bundestag klappern in den Sitzungen wieder die Nadeln.
2. Das Imageproblem der Handarbeit
Und mal eine Theorie von mir aus dem Bauch heraus. Die basiert nicht auf irgendwelchen nachhaltigen Erkenntnissen. Aber ich finde den Gedanken recht spannend:
Mit dem Abflauen des Handarbeitsbooms gab es gleichzeitig einen Boom historischer und Fantasyromane. Das spannende dabei ist, dass häufig weibliche Protagonisten aus ihrer typischen Rolle ausbrechen und Dinge tun, die seinerzeit Männern vorbehalten waren. Und das waren dann halt die coolen Mädchen bzw. Frauen. Zum Teil mussten sich diese Frauen als Männer verkleiden, um ihre Abenteuer zu bestehen. Sie haben dann mit Schwertern gekämpft, sind wild galoppierend auf ihren Pferden geritten, konnten so studieren oder haben einfach nur irgendwelche Abenteuer erlebt.
Die uncoolen dagegen sitzen – in ihrer typischen Frauenrolle verharrend – mit anderen Frauen stickend im Kämmerlein.
Und natürlich wollen wir alle lieber cool als uncool sein, keine Frage.
Ich glaube, dass diese Art von Romanen tatsächlich ein Stück dazu beigetragen haben, dass Handarbeit in den Schatten gerückt ist.
Und das Konzept der Rebellin funktioniert immer noch. Überlag ganz spontan, wer dir symatischer ist: Kate Bridgerton oder ihre Halbschwester Edwina Sharma?
In den 80gern waren wir Frauen gerade auf dem Höhepunkt der Emanzipationsphase. Klar, das frau sich von der „vorbestimmten“ Rolle lösen wollte. Wer das nicht miterlebt hat, mag das vielleicht nicht verstehen. Es waren damals einfach andere, ziemlich kuriose Zeiten. Wusstest du zum Beispiel, dass bis in die späten 1970ger ein Eheman im Namen seiner Frau ihr Arbeitsverhältnis fristlos kündigen konnte, wenn er meinte, dass sie ihren Hausfrauenpflichten nicht ausreichend nachkommt?!
Und wer kann sich noch an den 7. Sinn erinnern, wo Frauen als Gefahr für den Straßenverkehr dargestellt wurden?
Und hier mal zwei Zitate aus den Verhaltensregeln für Ehefrauen aus den 1950gern:
„Machen Sie es ihm bequem. Lassen Sie ihn in einem gemütlichen Sessel zurücklehnen oder im Schlafzimmer hinlegen. Halten Sie ein kaltes oder warmes Getränk für ihn bereit“ oder
„Machen Sie sich schick. Gönnen Sie sich 15 Minuten Pause, so dass Sie erfrischt sind, wenn er ankommt. Legen Sie Make-up nach, knüpfen Sie ein Band ins Haar, so dass Sie adrett aussehen. Er war ja schließlich mit einer Menge erschöpfter Leute zusammen.“
Tipps aus dieser Kategorie füllten ganze Bücher. Wenn du noch nie was davon gehört hast, dann klick dich unbedingt mal durch den Artikel.
Heute undenkbar, aber damals Realität.
Da ist es dann schon irgendwie nachvollziehbar, dass Frauen dieses Image brechen und alles, was damit zu tun hatte, abstreifen wollten. Vielleicht ist dabei einfach ein großartige Fertigkeit unter die Räder gekommen, die zu diesem Image irgendwie dazu gehörte, als Kollateralschaden sozusagen.
Naja, und schlussendlich haben dann im Verlauf des letzen Jahrhunderts immer weniger junge Menschen zu Wolle und Nadeln gegriffen, was letztendlich auch zum gesamten Imageverlust beigetragen hat. Ich habe mal eine Karte gesehen mit dem Text „Ich stricke, aber ich bin keine alte Oma.“ Da frag ich mich nur: „ECHT JETZT?“
3. Es ist alles nur in meinem Kopf
Meine dritte Theorie ist die Gewagtetste: Vielleicht findet uns überhaupt niemand blöd, wenn wir öffentlich stricken. Möglicherweise finden andere das sogar richtig cool und würden auch gern stricken können. Wir spüren die Blicke. Aber vielleicht schauen uns Menschen einfach auf die Finger, weil sie wissen wollen, was wir tun und wie es geht.
Was wäre, wenn das so wäre?
Dann gibt es doch eigentlich kein Problem, oder?
Was denkst du über diese Theorien? Schreib mir gern einen Kommentar!
Ich freue mich auf einen Austausch!
Das bringt der WWKIPDAY
Am World Wide Knit In Public Day gehen viele Menschen strickend in die Öffentlichkeit.
Natürlich braucht es weder eine Rechtfertigung noch einen Anlass, aber je mehr Menschen gleichzeitig öffentlich stricken, desto mehr fällt es auf. Noch ein Effekt: je mehr dabei sind, desto weniger exotisch fühlt es sich an.
Auf jeden Fall lenkt der WWKIPDAY Aufmerksamkeit auf unser Hobby, und das ist super!
Also: Sei dabei!!!
Heute.
Am WWKIPDAY.
Und an jedem anderen Tag!
Wir sehen uns draußen – happy knitting!
Und jetzt deine Meinung: Warst du schon mal beim WWKIPDAY dabei oder strickst du ohnehin regelmäßig in der Öffentlichkeit? Erzähl mir von deinen Erfahrungen in den Kommentaren!

Update: So war der WWKIP DAY in Hameln
Der World Wide Knit in Public Day in Hameln war ein voller Erfolg. Mit rund 20 Strickverrückten haben wir im Museumscafe in der ersten Reihe gesessen und durchaus positiv Aufmerksamkeit auf uns gezogen. Es ergab sich das ein oder andere nette Gespräch und wir hatten richtig Spaß.
Und sogar das Wetter hat mitgespielt 😊
Anschließend durfte natürlich ein Besuch im Wolladen meines Vertrauens nicht fehlen. So schön: Extra zum WWKIP DAY hat Woll-Weber eine Bank vor die Tür gestellt. Ich fand es super, die kann eigentlich auch immer dort zum stricken einladen!
Liebe Grüße an alle, die dabei waren und gern dabei gewesen wären.








Moin, ich Stricken auch in Kirchen oder Cafés. Bei Sonnenschein im Park. In Oberhausen gibt es das mary und joe
Café am Westfield Centro ,da kann mich treffen jeden 2&4 Samstag im Monat. Dir /euch noch Spaß beim Stricken.
Liebe Gudrun,
danke für deinen Kommentar!
Wow, sogar in der Kirche strickst du? Das wäre tatsächlich eine Location, wo ich mich eher unwohl fühlen würde, wenn ich das Strickzeug auspacke.
Dir ebenfalls viel Spaß beim Stricken, egal wo, hauptsache mit genug Wolle im Korb!
Herzliche Grüße
Nicole
Bis vor 7 Jahren bin ich täglich mit der S-Bahn zur Arbeit gefahren und habe meistens mein Strickzeug ausgepackt und mich mit einer anderen Strickerin ausgetauscht. Vor einem Monat sprach mich eine Dame an, die uns dabei beobachtet hatte. Sie wollte wissen, wo die Strickerinnen geblieben sind, da sie unsere Tätigkeit als entspannend fand. Ja mittlerweile sind wir im Ruhestand, aber stricken zu Hause. Ich fand die Begegnung sehr schön. Also strickt überall, wo die Zeit sonst sinnlos vergeht. Glg ulza 🧶🐑👋
Liebe Ulrike!
Was für ein schönes Motto: „Strickt überall da, wo die Zeit sonst sinnlos vergeht!“
Danke dafür!
Liebe Grüße
Nicole